{"id":6,"date":"2014-11-10T19:45:35","date_gmt":"2014-11-10T18:45:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.achteraus.de\/?p=6"},"modified":"2019-11-01T20:39:43","modified_gmt":"2019-11-01T19:39:43","slug":"meine-zeit-als-doppelagent","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.achteraus.de\/index.php\/2014\/11\/10\/meine-zeit-als-doppelagent\/","title":{"rendered":"Meine Zeit als Doppelagent"},"content":{"rendered":"\n<p>Es war wahrscheinlich im Jahr 1972, als ich bereits seit einem Jahr oder mehr Pres\u00adsereferent der Senatsverwaltung f\u00fcr Familie, Jugend und Sport war, dass ich Vor\u00adsitzender der Jungsozialisten wurde und damit in den Landesvorstand der SPD in Berlin gelangte. Kurz darauf meldete sich bei mir ein Journalist der Nachrichtenagen\u00adtur Nowosti. Er hatte eine Menge Fragen, was weiter nicht verwunderte, da zu dieser Zeit die JuSo\u2019s eine gro\u00dfe Vietnam-Demonstration vorbereiteten und wir dazu eine Art Volksfront organisierten, in der von anarchistischen Gruppen, \u00fcber die FdJ(W) bis zu den Pfadfindern alles vertreten war. Dabei wurden wir von der rechten F\u00fchrung der SPD und noch mehr von der Presse heftig kritisiert. <\/p>\n\n\n\n<p>Es zeigte sich sehr schnell, dass Igor \u2013 nennen wir ihn einmal so \u2013 weitergehende Informationsinteressen hatte. <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Er wollte gerne wissen, was alles im Landesvorstand thematisiert werde und stellte dabei Fragen, die sich vor allem auf das Verh\u00e4ltnis zwischen den Bl\u00f6cken und die Beziehungen der Bundesrepublik zu den \u00f6stlichen Staaten bezog. Ich h\u00f6rte die Nachtigall trapsen und war gew\u00e4rtig, alsbald auf meine Friedensliebe angesprochen zu werden. Das hatte sieben Jahre zuvor schon Andrzej Wojtowicz gemacht, als er mich f\u00fcr den polnischen Geheimdienst anwerben wollte, auch er ein Journalist, der dabei auch noch schamlos auf unsere Freundschaft pochte und meinte, ich k\u00f6nne ihm helfen, fr\u00fcher und besser informiert zu sein als andere. Das w\u00fcrde ihm beruflich sicher dienlich sein und er w\u00fcrde sich dann auch erkenntlich zeigen. <\/p>\n\n\n\n<p>Es dauerte nicht lange und der Leiter der Personalabteilung, Klaus-Peter P., ein sozialdemokratischer Genosse, kam zu mir und erinnerte mich beil\u00e4ufig daran, dass ich nach den Regeln des Berliner \u00f6ffentlichen Dienstes verpflichtet sei, meine Ost\u00adkontakte zu melden. Er bezog sich zwar auf meine damaligen periodischen Kontakte zur chinesischen Botschaft im Ostteil, aber kurz darauf klingelte das Telefon und ein namenloser Mitarbeiter einer Beh\u00f6rde, deren Namen er ebenfalls nicht nannte, <em>\u201eSie wissen schon\u201c<\/em>, sprach mich direkt auf den letzten Kontakt mit Igor an. <em>\u201eWir sind sehr daran interessiert, dass Sie diesen Kontakt aufrecht erhalten\u201c<\/em>, sagte er <em>\u201eund ich m\u00f6chte mich nach jedem Gespr\u00e4ch mit ihnen treffen und wissen, was Sie bespro\u00adchen haben. Es ist f\u00fcr uns von gro\u00dfer Wichtigkeit zu erfahren, wonach Ihr Kontakt genau gefragt hat.\u201c<\/em> <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">So begann mein Leben als Doppelagent. <\/h2>\n\n\n\n<p>Es war anfangs eine nette Abwechslung. Igor rief an und ging mit mir zu Mittag es\u00adsen. Das Lokal konnte ich bestimmen und weil f\u00fcr mich das ganze ein Spiel war, traf ich mich mit ihm gerne in einem chinesischen Lokal. Ich hatte gehofft, es w\u00fcrde ihn \u00e4rgern. Tat es aber nicht. Ich wechselte zum Italiener. Tags darauf musste ich mit meinem Agentenf\u00fchrer vom Verfassungsschutz erneut essen gehen und berichten, was Igor hatte wissen wollen. <\/p>\n\n\n\n<p>In dieser Zeit gelang uns in der chinesischen Botschaft in Pankow bei unseren Ver\u00adhandlungen \u00fcber die Reise einer Delegation ein \u00fcberraschender Durchbruch. Mona\u00adtelang hatten wir uns vom dritten Pf\u00f6rtner langsam in der Hierarchie bis zum Stellver\u00adtreter des stellvertretenden Attach\u00e9es vorgearbeitet, der f\u00fcr die Freundschaftsgesell\u00adschaften zust\u00e4ndig war. Wieder einmal f\u00fchrten wir z\u00e4he Verhandlungen in einem ungem\u00fctlichen Vorsaal, als mich pl\u00f6tzlich der Konsul zu sich rufen lie\u00df. Nur wollte er sich gar nicht mit mir \u00fcber eine Reise von JuSo\u2019s und Falken in die Volksrepublik unterhalten. Nach der f\u00f6rmlichen Begr\u00fc\u00dfung teilte er folgendes mit: die ehemalige Residenz (oder Botschaft) Chinas am Kurf\u00fcrstendamm \u2013 heute residiert dort der Zuckerb\u00e4cker Leysieffer \u2013 sei nach wie vor Eigentum Chinas. Der Hausmeister, ein Verr\u00e4ter und verantwortungsloses Subjekt, das sich von einer abtr\u00fcnnigen Provinz Chinas bezahlen lasse, wolle nun eine alte amerikanische Limousine auf dem Old\u00adtimer-Markt verkaufen, die eindeutig zum Besitz Chinas geh\u00f6re. Das sei eine schwe\u00adre Beleidigung der Volksrepublik.  Sprach, verabschiedete sich und verschwand. <\/p>\n\n\n\n<p>Wir waren perplex. Was hatte das mit unseren Reiseabsichten zu tun? Aber ich be\u00adgriff: wir waren soeben zu Botschaftern Mao Tsedongs ernannt worden. Also rief ich anderntags im Rathaus Sch\u00f6neberg an und lie\u00df mich zu Papa Herz, dem Chef der Senatskanzlei durchstellen. <em>\u201eGenosse\u201c<\/em>, sagte ich, <em>\u201eich glaube ich soll Dir etwas aus\u00adrichten\u201c<\/em> und berichtete ihm von meinem Gespr\u00e4ch mit dem Konsul Chinas. Peter Herz war hoch erfreut: <em>\u201eendlich!\u201c<\/em> sagte er, <em>\u201eendlich haben wir damit eine Kontaktm\u00f6g\u00adlichkeit \u2013 Du wei\u00dft ja gar nicht, wie lange wir schon darauf warten mit denen da dr\u00fcben zu reden. Offiziell k\u00f6nnen wir\u2019s ja nicht. Klar, da machen wir was. Danke auch sch\u00f6n.\u201c <\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe nie erfahren, was der Westberliner Senat gemacht hat, ob er die alte Limou\u00adsine selbst gekauft und den Chinesen nach Ostberlin gebracht hat? Oder nur die Kaufsumme \u00fcberwiesen? Und wie hat der Senat Taiwan bedient, die abtr\u00fcnnige Provinz, den einzigen chinesischen Staat, mit dem die Bundesrepublik damals offizi\u00adelle Beziehungen unterhielt und das die Kosten f\u00fcr Hausverwaltung und Hausmeister des leerstehenden Geb\u00e4udes trug? <\/p>\n\n\n\n<p>Jedenfalls ging danach alles schnell. Die Empf\u00e4nge in der Botschaft wurden nun freundlich, man lud uns zum Essen ein und schlie\u00dflich bekamen wir die Nachricht, man habe in Peking unser Ansinnen freundlich aufgenommen, den Status einer Freundschaftsgesellschaft zugestanden und wir k\u00f6nnten nun bald reisen. <\/p>\n\n\n\n<p>In der Zwischenzeit hatte ich einen neuen \u201eHausrussen\u201c. So wurden diese Kontakt\u00adpartner genannt, \u00fcber die praktisch jeder Westberliner Politiker verf\u00fcgte. Er arbeitete diesmal f\u00fcr die Prawda und auch er hie\u00df Igor. Er war, was den pers\u00f6nlichen Umgang anging, kein Kind von Traurigkeit, in der Sache aber fast genau so dr\u00f6ge wie sein Vorg\u00e4nger. Es hatte sich ziemlich schnell herausgestellt, dass die allermeisten Ge\u00adspr\u00e4chsthemen der Igors an den Tagen davor in der Frankfurter Allgemeinen abge\u00adhandelt worden waren. Ich musste mich vor dem Mittagessen mit Igor also zwei, drei Tage lang durch die Bleiw\u00fcste und durch Artikel k\u00e4mpfen, die mich eigentlich nicht interessierten. Aber es war unabdingbar, denn die Igors wollten auch nur Meinungen h\u00f6ren, \u00fcber die dort schon berichtet worden war. Igor II war allerdings insofern noch anstrengender, als er am Ende des Mittagessens manchmal ein Thema vorgab, \u00fcber das er das n\u00e4chste Mal sprechen wollte oder gar vorher kurzfristig anrief. Es sah fast so aus, als ob er mich langsam aufbauen und fester einbinden wollte, indem er mir kleine Rechercheauftr\u00e4ge erteilte. <\/p>\n\n\n\n<p>Igor II war Profi; es war ihm sicherlich klar, dass ich nicht unbemerkt mit ihm in Restaurants herumsa\u00df und redete und es war ihm auch klar, dass ich \u00fcber ein paar Querverbindungen in andere Verwaltungsbereiche verf\u00fcgte. Eines Tages sagte er, er sei zwar Journalist, aber auch seine Kontakte mit den Dienststellen in der Hauptstadt gingen gelegentlich dar\u00fcber hinaus. Er sei gebeten worden, mich \u00fcber etwas zu in\u00adformieren, was dort f\u00fcr gro\u00dfe Ver\u00e4rgerung sorge und die Sicherheit an der Grenze gef\u00e4hrde. Wir \u2013 und damit meinte er die Jugendverwaltung \u2013 wir h\u00e4tten doch dort an der Grenze so ein sozialp\u00e4dagogisches Projekt&#8230; <\/p>\n\n\n\n<p>Er meinte das Georg-von-Rauch-Haus, das am 8. Dezember 1971 nach einem teach-in zum Tod dieses Anarchisten besetzt worden war. Studenten, wohnungslose deklassierte Jugendliche und Leute aus dem Sozialarbeitermilieu hatten sich des Schwesternheims des ehemaligen Krankenhauses Bethanien bem\u00e4chtigt. Es hatte einen riesigen Aufschrei in der \u00d6ffentlichkeit gegeben: Rechtsbruch! Terroristen! Aber wir hatten es, nach schwierigen Verhandlungen mit den Besetzern und in einem anstrengenden und diffizilen politischen Balanceakt als \u201eselbstverwaltetes Jugend\u00adzentrum\u201c legalisieren k\u00f6nnen. W\u00e4hrend wir mit allerlei sozialp\u00e4dagogischem Wort\u00adgeklingel die Presse zu beruhigen suchten, lebten sich die Jugendlichen selbstver\u00adwaltet aus: sex and drugs and rock\u2019n roll. Brav waren sie nicht, aber originell. Und sie hassten alles, was Herrschaft aus\u00fcbte und Uniformen trug. Da hatten sie meine volle Sympathie. <\/p>\n\n\n\n<p>Das Georg-von-Rauch-Haus war also nicht nur der rechten Frontstadtpresse und den vereinigten Konservativen aller Parteien ein Dorn im Auge, nun beklagte sich auch noch die DDR. Am liebsten h\u00e4tte ich laut aufgelacht, als Igor die Klage \u00fcbermit\u00adtelte. Die Bewohner provozierten die Grenztruppen der DDR am antifaschistischen Schutzwall so sehr, dass die dort kaum noch ihren verantwortungsvollen Dienst aus\u00ad\u00fcben k\u00f6nnten. Die Jugendlichen stellten riesige Lautsprecher in die Fenster und be\u00adschallten die Grenzsch\u00fctzer schrecklich laut mit schrecklicher Musik. Und nicht nur das. Sie lenkten sie auch noch mit bestimmten Handlungen ab. <em>\u201eJa womit denn?\u201c<\/em>, fragte ich. <em>\u201eMit unmoralischen! Im Fenster!\u201c<\/em> <em>\u201eUnd was muss ich mir darunter vorstel\u00adlen?\u201c \u201eSie machen Liebe! Im Fenster! Das m\u00fcssen sie abstellen!\u201c<\/em> <\/p>\n\n\n\n<p>Ficken auf dem Fensterbrett! Eine Art \u201ePropaganda der Tat\u201c gegen autorit\u00e4re Zwangsstrukturen. Ich konnte mir richtig vorstellen, wie die armen Kerle im Beob\u00adachtungsturm die Ferngl\u00e4ser an die Augen pressten und mit einem schnellen Griff ihrem Schniedel im Schritt der Uniformhose Platz zur Entfaltung verschafften. Das war fantastisch! Allein schon aus Bewunderung f\u00fcr den artistischen Aspekt dieser Liebes\u00fcbung h\u00e4tte ich es nicht \u00fcber das Herz gebracht, die Klage weiter zu geben! Geschweige denn, auf die Leute vom Rauch-Haus einzuwirken, auf das Demonstrati\u00adonsv\u00f6geln zu verzichten. Die h\u00e4tten mit mir mitgelacht. Also behielt ich die Nachricht f\u00fcr mich. Auch gegen\u00fcber dem Verfassungsschutz blieb dies, wie die Chinasache auch, mein Privatvergn\u00fcgen. <\/p>\n\n\n\n<p>Leider kamen keine weiteren highlights dazu. Die Arbeit als Doppelagent kostete haupts\u00e4chlich Zeit, die ich lieber revolution\u00e4reren Aktivit\u00e4ten oder dem Job gewidmet h\u00e4tte. Und ich wurde fetter. Mittlerweile kannte ich so gut wie alle mittelpr\u00e4chtigen Lokale zwischen der Potsdamer Stra\u00dfe und dem Kurf\u00fcrstendamm, obwohl mir bei der Auswahl auch Fehler unterliefen. Einmal, kaum war ich vom Essen zur\u00fcck, rief mein Agentenf\u00fchrer schon im B\u00fcro an. Er klang genervt und ver\u00e4rgert: <em>\u201eBitte machen Sie das nicht noch einmal. Sie k\u00f6nnen mit Igor nicht ins &#8218;Bacco&#8216; gehen, verstehen Sie, das ist das Verkehrslokal der franz\u00f6sischen Kollegen!\u201c<\/em> <\/p>\n\n\n\n<p>So ging das zwei oder mehr Jahre und es wurde mir langsam l\u00e4stig. Es war reine Zeitverschwendung. Ich dachte daran auszusteigen. Die Gelegenheit schien gekom\u00admen, als mich jemand anrief, mit dem ich gar nicht gerechnet hatte. Es war Freidank, den ich als linken Genossen aus der Abteilung Grunewald kannte und der dort nach dem Tod von Benno Ohnesorg meinen Partei-Ausschlussantrag gegen den Polizei\u00adpr\u00e4sidenten vehement unterst\u00fctzt hatte. Er hatte damals Andeutungen gemacht, er habe mit dem Verfassungsschutz zu tun, Amt und Amtsleiter aber mit sehr negativen Bemerkungen bedacht. Freidank leitete die Abteilung Abwehr und er meldete sich mit Namen. Er sagte: <em>\u201eIgor kommt morgen nicht. Er war geschickt und wurde uns ge\u00adf\u00e4hrlich. Wir sind froh, dass wir ihn endlich abschalten konnten. Er ist seit vorgestern in Wien.\u201c<\/em> <em>\u201eUnd wie kommt das?\u201c<\/em> fragte ich. <em>\u201eZufall\u201c<\/em>, sagte Freidank, <em>\u201eder Zufall kam uns zu Hilfe. Letzte Woche hat er sich nachts im Pressehaus eine Putzfrau gegriffen und vergewaltigt. Damit hatten wir ihn.\u201c <\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eDavon hat aber gar nichts in der Zeitung gestanden\u201c<\/em>, sagte ich und sch\u00e4mte mich gleich etwas meiner Naivit\u00e4t. <em>\u201eUnd was soll sonst an ihm so gef\u00e4hrlich gewesen sein\u201c? \u201eEr war geschickt. Er brachte die Leute zum Reden. Diese Arschl\u00f6cher! Du glaubst ja gar nicht, was ihm die Herren Genossen&#8220; <\/em>&#8211; er nannte die Namen zweier rechter Jungt\u00fcrken, die sich mittlerweile auf Parlamentssitze hochgeschleimt hatten &#8211; <em>&#8222;Du glaubst ja gar nicht, was die ihm alles erz\u00e4hlen. Die platzen doch vor Stolz, wenn sie mal was rauskriegen k\u00f6nnen oder was wissen. Die sagen alles, aber auch alles.\u201c<\/em> <\/p>\n\n\n\n<p>Freidank machte mir Komplimente \u00fcber meinen geschickten Umgang mit den Igors und beschwor mich, jetzt nicht aufzuh\u00f6ren. Es sei wichtig zu wissen, welche Namen Igor weitergebe und wie schnell sein Nachfolger sich bei mir melde. <\/p>\n\n\n\n<p>Weil er es war, der mich bat, machte ich weiter. Wieder meldete sich ein Igor, ein Journalist. Die Namengleichheit wurde langsam etwas l\u00e4cherlich, war aber vermutlich purer Zufall. Es war ein j\u00fcngerer Kollege, ein eher gewissenhafter und beflissener Typ und ziemlich langweilig. Nach dem zweiten Treffen hatte ich genug. Ich sagte zu ihm: <em>\u201eSie wissen vermutlich, dass ich gezwun\u00adgen bin, meiner Dienststelle mitzuteilen, dass ich mich mit ihnen treffe und dass ich dar\u00fcber berichten muss. Das ist ein ziemlich umst\u00e4ndliches Verfahren. H\u00e4tten Sie nicht Lust, direkten Kontakt aufzunehmen? Das w\u00fcrde mir viel Zeit und Arbeit sparen.\u201c<\/em> <\/p>\n\n\n\n<p>Igor war verwundert. Mein Agentenf\u00fchrer aber fuhr aus der Haut: <em>\u201eWas haben Sie gemacht? Sind Sie verr\u00fcckt?\u201c \u201eAber \u00fcberhaupt nicht. Sehen Sie: ich muss vorher immer die FAZ lesen, die ich nicht mag. Dann reden wir \u00fcber die Lekt\u00fcre und hinter\u00adher berichte ich Ihnen davon. Es w\u00e4re doch wirklich einfacher, Sie setzen sich gemeinsam ins Cafe, lesen Zeitung und reden miteinander dar\u00fcber, was sie davon halten sollen. Wenn Sie wollen, nehme ich Sie das n\u00e4chste Mal mit und stelle Sie vor.\u201c<\/em> <\/p>\n\n\n\n<p>Damit war meine Arbeit als Agent beendet. Beide Seiten schalteten mich ab und riefen nie wieder an. <\/p>\n\n\n\n<p>Jahre sp\u00e4ter, als der Verfassungsschutz Einblick in seine Akten gew\u00e4hrte, erfuhr ich, dass die andere Abteilung des Amts, jene, die Extremisten und Verfassungsfeinde aufzusp\u00fcren und dingfest zu machen hatte, mich zur gleichen Zeit \u00fcberwachte und bespitzeln lie\u00df, als ich ihrer eigenen Abwehr gegen die Sowjets beistand. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Lekt\u00fcre war nicht uninteressant. Mein erster Arbeitgeber, die Freie Universit\u00e4t, vielleicht war es aber auch nur der Fachbereich Erziehungswissenschaften gewesen, hatte eine Anzeige und die staatsanwaltlichen Ermittlungen beigesteuert, die gegen mich wegen Unterst\u00fctzung der Institutsbesetzung gelaufen waren. Ich war dort als Abgesandter des Pr\u00e4sidialamtes hingeschickt worden, um beruhigend auf die Stu\u00addenten einzuwirken und hatte ihnen Kuchen mitgebracht. Von den Verhandlungen um die Vietnam-Demonstration, die wir damals im RPJ am oberen Kurf\u00fcrstendamm gef\u00fchrt hatten und zu denen Rudi Dutschke, kaum genesen, eigens aus Aarhus an\u00adgereist war, war ein ziemlich wirrer Spitzelbericht abgeheftet. Der ganz \u00fcberwiegen\u00adde Teil dieser Akten bestand aber aus Presseberichten der Springer-Presse und einem obskuren Denunzianten-Blatt eines Steglitzer Lehrers. <\/p>\n\n\n\n<p>Zu meiner T\u00e4tigkeit f\u00fcr die Abteilung Abwehr fand sich kein Hinweis. Offenbar hatten beide Abteilungen keinen offiziellen Kontakt. Und redeten auch sonst nicht direkt mit\u00adeinander. Vielleicht h\u00e4tten sie daf\u00fcr einen Doppelagenten gebraucht. Zur Weitergabe von Presseausschnitten und offenkundigen Informationen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es war wahrscheinlich im Jahr 1972, als ich bereits seit einem Jahr oder mehr Pres\u00adsereferent der Senatsverwaltung f\u00fcr Familie, Jugend und Sport war, dass ich Vor\u00adsitzender der Jungsozialisten wurde und damit in den Landesvorstand der SPD in Berlin gelangte. Kurz darauf meldete sich bei mir ein Journalist der Nachrichtenagen\u00adtur Nowosti. Er hatte eine Menge Fragen, &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/www.achteraus.de\/index.php\/2014\/11\/10\/meine-zeit-als-doppelagent\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eMeine Zeit als Doppelagent\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[],"class_list":["post-6","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-biografisches"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.achteraus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.achteraus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.achteraus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.achteraus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.achteraus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.achteraus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":16,"href":"https:\/\/www.achteraus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6\/revisions\/16"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.achteraus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.achteraus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.achteraus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}