{"id":40,"date":"2008-03-06T22:10:30","date_gmt":"2008-03-06T21:10:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.achteraus.de\/?p=40"},"modified":"2019-11-01T22:12:28","modified_gmt":"2019-11-01T21:12:28","slug":"gefaehrliche-ware-die-usa-schuetzen-sich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.achteraus.de\/index.php\/2008\/03\/06\/gefaehrliche-ware-die-usa-schuetzen-sich\/","title":{"rendered":"Gef\u00e4hrliche Ware &#8211; die USA sch\u00fctzen sich"},"content":{"rendered":"\n<p>Heute morgen haben wir die Grenze zwischen Mexico und\n den USA passiert. Bis dahin zeigte das Echolot in der grossen Bucht \neine Wassertiefe von 29 m. Die letzten T\u00f6ne der amerikanischen \nNationalhymne, von drei Crewmitgliedern im Cockpit ziemlich schr\u00e4g und \nmit durchaus uneinheitlicher Stimmf\u00fchrung vom Blatt gestammelt, waren \nkaum verklungen, da stieg die Tiefe auf 32 m an. Da war klar, wir sind \nin the land of the free: da ist halt alles gr\u00f6\u00dfer, tiefer, m\u00e4chtiger.<\/p>\n\n\n\n<p>Weit\n draussen eine Ansteuerungstonne, aber dann war es einfach, den \nTonnenstrich entlang bis zur Quarant\u00e4nestation, an der wir einchecken \nsollten. Doch vor diesen Akt hatten die zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rden eine lange \nWartezeit geschaltet. Christoph kam mit den Papieren zur\u00fcck an Bord: die\n Station ist nicht besetzt. Wahrscheinlich kommen Ausl\u00e4nder hier nur \nalle paar Jubeljahre vorbei. <\/p>\n\n\n\n<p>Man meldet sich an der \nKontrollstation \u00fcber Telefon bei der border control &#8211; wir haben uns zwar\n schon zuvor von See her per Funk beim harbourmaster gemeldet, aber der \nbeh\u00e4lt offenbar diese Information f\u00fcr sich. Weit draussen hatten uns \nschon eine futuristische Fregatte und mehrere Hubschrauber der Marine \nbe\u00e4ugt &#8211; ihre Erkenntnisse aber ebenso f\u00fcr sich behalten.&nbsp;Ein Dank an \ndie Gewaltenteilung und den Datenbeauftragten. Nur leider kostete das \nunsere Zeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Es dauerte drei Stunden, bis die Grenzbeamten kamen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Da\n lagen wir nun, schauten im Fernglas die Bungalows und&nbsp;Wohnanlagen den \nH\u00fcgel hoch und tauschten uns dar\u00fcber aus, welche wir nehmen w\u00fcrden. F\u00fcr \nmich gab es zwei: ein wundervolles Anwesen am halben Hang, rosa, \nmaj\u00e4stetisch und mit vier S\u00e4ulen, die die mittige Loggia fassten und ein\n Anwesen weiter oben, von dem man nur ein altes, rundes, ziegelbedecktes\n Dach in einer Falte des Hangs sehen konnte. Die einzige Frage, die sich\n mir dabei stellte: wo h\u00e4tte ich Platz f\u00fcr meine Bibliothek&#8230;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Jogger\n liefen am Strand entlang und wir wunderten uns \u00fcber die Kinder, die \ndort badeten: so viel weiter n\u00f6rdlich sollte das Wasser so warm sein, \ndass man baden konnte?<\/p>\n\n\n\n<p>Ich&nbsp;bereitete inzwischen&nbsp;das Mittagessen \nvor, schnippelte Kartoffeln, Zucchini, M\u00f6hren und Zwiebeln f\u00fcr den \nEintopf, konnte aber nicht zu kochen beginnen, denn Christoph hatte das \nletzte Dutzend mexikanischer Eier auf den Herd gestellt. Und das war \nwohlgetan.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn was dann begann, war ein Vernichtungswerk.<\/p>\n\n\n\n<p>Das\n Einklarieren in die USA war kein Problem. Der border officer hatte, \nversehen mit den Angaben, die unser Skipper beim Telefonkontakt \ndurchgegeben hatte, die n\u00f6tigen Dokumente schon gefertigt und \nmitgebracht. Er musste nur noch die P\u00e4sse ansehen. Ein Problem hatte nur\n sein Kollege von der Lebensmittelkontrolle: er hie\u00df s\u00e4mtliche \npflanzliche und tierische Produkte in T\u00fcten packen und an Bord bringen. \nDie letzten Kartoffeln, M\u00f6hren, Avocados und Zwiebeln, in Plastik \neingeschwei\u00dfte W\u00fcrstchen und zwei Beutelchen dehydriertes Rindfleisch \nwanderten in den Quarant\u00e4nem\u00fclleimer am Steg, auf dem geschrieben stand:\n die Wiederentnahme ist nach Bundesrecht verboten und wird bestraft.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann kam er zur Kontrolle unter Deck.<\/p>\n\n\n\n<p>Eigentlich\n war er ein ganz netter Typ und es schien ihm selbst ein wenig peinlich \nzu sein, dass er so scharf kontrollieren m\u00fcsse. Immerhin gab er zwei \nGurken und eine Knoblauchknolle zur\u00fcck und lie\u00df die f\u00fcrs Mittagessen \nvorbereiteten Schnipsel durchgehen. Auch das marinierte Rindfleisch, das\n ich daf\u00fcr vorgesehen hatte, blieb unbeanstandet: mexican beef is no \nproblem, sagte er &#8211; aber ich wagte nicht, das dehydrierte beef zur\u00fcck zu\n fordern, um die Situation nicht zu komplizieren. Denn es stand die \nKontrolle unter Deck noch aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir rei\u00dfen den Konserven, sofern \nihre Metallh\u00fclle nicht bedruckt ist,&nbsp;immer die Papierh\u00fcllen ab, bevor \nsie gestaut werden und beschriften sie mit Marker. Damit soll verhindert\n werden,&nbsp;dass die Banderolen unterwegs, von eindringendem Seewasser \ngel\u00f6st, in die Bilge wandern und die Pumpen verstopfen. Das erschwerte \nnun die Kontrolle. Der officer nahm sich deshalb nur der bedruckten \nKonserven an und entweder war er besonders ehrgeizig, oder er wurde je \nnach Gewicht der sichergestellten Menge evaluiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Und er sprach \nnur seine Heimatsprache. So wanderten denn auch zwei Dosen W\u00fcrstchen &#8211; \nproduit francais &#8211; die es von Martinique bis San Diego geschafft hatten,\n in den Quarant\u00e4nem\u00fcll.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Schluss entdeckte der Mensch noch \neinen Apfel in der Pantry. Wo der her sei? Nun, ich h\u00e4tte ihn in Mexiko \ngekauft, aber gewachsen sei er wohl in Argentinien oder Chile. Anyway, \nmeinte der officer. Und als ich sagte, ich w\u00fcrde ihn auch gleich essen: \nsorry, too late.<\/p>\n\n\n\n<p>So wurde das amerikanische Volk erfolgreich vor \nder Vernichtung durch Schweinepest, Vogelgrippe und verschiedene \nPflanzen- und Saatgutzerst\u00f6rer bewahrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann kam Suse an Bord, \nChippies Schwester, die als Biophysikerin in einer Forschungsgruppe in \nSan Diego arbeitet. Sie wollte uns bis Los Angeles begleiten, gab aber \nzun\u00e4chst einmal Tips f\u00fcr den Landausflug.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute morgen haben wir die Grenze zwischen Mexico und den USA passiert. Bis dahin zeigte das Echolot in der grossen Bucht eine Wassertiefe von 29 m. Die letzten T\u00f6ne der amerikanischen Nationalhymne, von drei Crewmitgliedern im Cockpit ziemlich schr\u00e4g und mit durchaus uneinheitlicher Stimmf\u00fchrung vom Blatt gestammelt, waren kaum verklungen, da stieg die Tiefe auf &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/www.achteraus.de\/index.php\/2008\/03\/06\/gefaehrliche-ware-die-usa-schuetzen-sich\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eGef\u00e4hrliche Ware &#8211; die USA sch\u00fctzen sich\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-40","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.achteraus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/40","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.achteraus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.achteraus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.achteraus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.achteraus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=40"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.achteraus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/40\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":41,"href":"https:\/\/www.achteraus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/40\/revisions\/41"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.achteraus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=40"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.achteraus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=40"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.achteraus.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=40"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}