{"id":34,"date":"2008-08-22T11:47:34","date_gmt":"2008-08-22T09:47:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.achteraus.de\/?p=34"},"modified":"2019-11-01T22:01:11","modified_gmt":"2019-11-01T21:01:11","slug":"seewalchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.achteraus.de\/index.php\/2008\/08\/22\/seewalchen\/","title":{"rendered":"Seewalchen"},"content":{"rendered":"\n<p>Am Sonntag, dem 26.07.98 kamen wir am fr\u00fchen  Nachmittag in Seewalchen an. Ich wei\u00df nicht mehr genau, wann ich das  letzte Mal dort gewesen war, mich bei Kastingers pr\u00e4sentierte, die  Handel-Tanten inmitten ihrer Dalmatiner in Buchberg besuchte; es mag  jetzt 25 Jahre her sein, seinerzeit mit Margret auf der Durchreise nach  Wien. Schon damals erkannte ich das Dorf nicht wieder, geschweige denn  jetzt, auf dem Heimweg nach Berlin, mit Faviola und den Kindern am Ende  des Urlaubs im M\u00fchlviertel.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir kamen \u00fcber Linz, wo wir Probleme hatten, die Bundesstrasse nach \nWels zu finden, ohne die inner\u00adst\u00e4dtische Autobahn zu benutzen, \nbestaunten im Vorbeifahren die merkw\u00fcrdige Kirche auf dem H\u00fcgel in \nV\u00f6cklabruck, die zwei T\u00fcrme hintereinander zu haben scheint und bogen in\n das Tal der Ager ein. \u00dcber Lenzing war ich noch nie gekommen, sah \nmeines Wissens zum ersten Mal den gro\u00dfen Betrieb, vor dem an diesem \nSonntag Gendarmen irgendeinen lokalen Verkehr zu regeln hatten. Dann \nlinks das Kirchlein von Sch\u00f6rfling, die Br\u00fccke, der Abzweig nach \nSeewalchen hinein.<\/p>\n\n\n\n<p>Dort wo die Hauptstrasse von der  Atterseestrasse die Anh\u00f6he hinauf abzweigt, ist die Einm\u00fcndung  aufgepflastert: 30 km-Zone \u2013 und \u201eseit 1955\u201c sagt die Werbung, ich h\u00e4tte  es also beim letzten Besuch schon merken m\u00fcssen, steht hier das Caf\u00e9  Rohringer. Es ist ein Haus in diesem Allerwelts-Alpenstil, mit Erker an  der Ecke und Holzbalkon \u00fcber die Giebelfront und wirkt so neu, dass es  auch gar nicht von 1955 sein kann. Der Kontrast liegt rechter Hand,  zwanzig Meter weiter, das Stammhaus Kastinger, die Schau- und  Verkaufsr\u00e4ume hinter den schmutzigen Schaufenstern leer, blinde Fenster  in den Etagen dar\u00fcber. Gegen\u00fcber, die Nr. 28, frisch renoviert, daneben  ein neues Einfamilienhaus in den fr\u00fcheren Garten geklemmt. Hier bin ich  geboren. <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Kaum mehr eine schwache Erinnerung an das Haus, so wie es vor  35 Jahren noch war, als meine Erinnerung schon damals versagt hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Gegen\u00fcber\n dem Hotel und Gasthof H\u00e4upl weiter h\u00fcgelan, zwanzig Meter zur\u00fcckgesetzt\n von der Stras\u00adse, eine schon eingegr\u00fcnte moderne Bebauung, \nFensterb\u00e4nder zwischen Waschbetonbr\u00fcstungen, Altenresidenz, Appartements\n oder Ferienwohnungen und man ist schon fast wieder aus dem Dorf \ndrau\u00dfen, bevor ich registriere, dass da der Dorfeingang fehlte, diese \nVerengung, wo das Haus stehen m\u00fcsste, aus dem wir1946 weggegangen sind, \nin das wir irgendwann zwischen meiner und der Geburt Rudi umgezogen \nwaren, das Haus meiner Kindheit, an das ich mich erinnere. Es stand mit \nseiner Gie-belseite und den Eingangsstufen so in den Stra\u00dfenraum, dass \nder amerikanische Panzer am gegen\u00ad\u00fcberliegenden Hauseck den Putz \nabschrammte.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber da ist kein Haus der Kindheit mehr, nichts als \nder grausam ungegliederte sandgelbe Betonklotz einer Raiffeisenbank, aus\n der Stra\u00dfenflucht so zur\u00fcckgesetzt, dass heute zwei Panzer aneinander \nvorbei k\u00e4men, ohne Schaden anzurichten und noch Raum f\u00fcr einen Vorplatz \nbleibt. Was sich dabei baulich ergibt, ist weniger als die Negativform \nes fr\u00fcheren Dorfeingangs.<\/p>\n\n\n\n<p>Zun\u00e4chst aber fehlt nur etwas, f\u00fchlt \nsich die Erinnerung im Vor\u00fcberfahren ge\u00e4fft, die Orientierung \nirri\u00adtiert. Gab es dort je dieses Haus? Hinter ihm, ums Eck, war der \nB\u00e4cker. Doch es gibt keine Ecke mehr, es gibt keinen B\u00e4cker dort. Heute \nist in dem Haus ein Tabak-Trafik mit Touristenkram. Kein \nLebensmit\u00adtelladen daneben, keine Hinterholzerin.<\/p>\n\n\n\n<p>Nichts ist, wie \nes war. Die Stra\u00dfen sind asphaltgrau und glattgespannt. Die Dimensionen \nstimmen nicht, nicht die Perspektiven. Gab es Kastingers? Keine \nInschrift am Haus verriet, wer hier einmal Schuhe herstellte und \nverkaufte \u2013 weltber\u00fchmte Skistiefel und Bergschuhe.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir halten bei  Stallinger, um die Zimmer zu belegen. Sie gehen auf den Friedhof  hinaus; dahinter mu\u00df die Schule liegen, in die ich Greti einmal  begleitete. <em>\u201eD\u00f6s is heit die Landesmusikschul\u201c<\/em>, sagt der junge Mann und  weist auf ein sch\u00f6n renoviertes, repr\u00e4sentatives Bauwerk. Begleitete ich  Greti wirklich hier\u00adher? In meiner Erinnerung sehe ich ein kleines  Geb\u00e4ude und auf der Schaukel davor fliege ich \u00fcber die Traufe, hoch zum  Kirchturm, in die Bl\u00e4tter eines Baumes. Aber das ist ein undeutlicher  Eindruck und ein vagues Gef\u00fchl, dem nichts an konkreten Bildern folgt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich\n kann da nicht oft gewesen sein. Gab es da nicht in der N\u00e4he einen \nKindergarten, einen Spielplatz? Stand die Schaukel nicht dort?<\/p>\n\n\n\n<p>Herr\n Stallinger, der Wirt \u201eZur Post\u201c d\u00fcrfte Mitte 60 sein; er bedient im \nWirtsgarten. Ja, die \u201eHamburger Villa\u201c, die stand da, wo jetzt die Bank \nsteht. Es war die Villa der Direktoren von Lenzing, der gro\u00dfen \nZellstoff-Fabrik, sechs Kilometer Ager aufw\u00e4rts vor dem Attersee. Es \nhatte dort einen Direktor Karbula gegeben; er selbst kann sich aber \nnicht an Dolly erinnern, dessen Frau, die \u00fcber uns wohnte, rauchte, \nrotgeschminkte Lippen und lange Z\u00e4hne hatte und schon deshalb anders und\n fremd war, da h\u00e4tte sie gar nicht erst aus England stammen und ein \nFeind sein brauchen, der nicht in den Keller mit durfte, als \nFliegeralarm war.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich erinnere mich nur an ein einziges Mal im  Keller, als die Bomber \u00fcber uns nach Leuna und Chemnitz flogen, oder  auch nur auf Linz und auf dem R\u00fcckflug die Bomben, die sich im  Abwurfschacht verklemmt hatten oder anderswie \u00fcbrig geblieben waren, in  den See und manchmal, zum Jux der Besatzungen, in die D\u00f6rfer schmissen.  Und vielleicht sa\u00df ja auch Dolly im Keller und war ungeschminkt und  vielleicht hatte sie auch gar keine langen Z\u00e4hne und das alles sind nur Geschichten, die Mutter uns erz\u00e4hlt hat, im Nachhinein, oder meine  Schwester. Oder sie war halt geschminkt und rauchte, weil das eine  deut\u00adsche Frau nicht zu tun hatte.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eDie \u00e4ltere Handel-Schwester\u201c<\/em>,  sagt der Herr Stallinger, <em>\u201eham mir vor 14 Tag zu Gab trogn. 95 Jahr wars  oit. Hunderte Dalmatiner warn do, sogar auf d\u2019Flaschn hams Dalmatiner  bickt.\u201c<\/em> Es mu\u00df ein gro\u00dfes Leichenbeg\u00e4ngnis gewesen sein. <em>\u201eUnd die  Kastingers?\u201c \u201eJa, die alte Frau Kastinger\u201c<\/em>, sie kam aus Schwaben und war  eine enge Freundin meiner Mutter, <em>\u201eja die alte Frau Kastinger lebt noch  im Haus am See in Kammer. D\u00f6s is ihnan bliebn. Aber das Stammhaus net.  Die Kinder hams Erbe angnomman und die ganzn Schuldn, do is nix bliebn,  auch von ihrem Eignen nix. Denen hams Heiz\u00f6l wieder abpumpt, weils s\u2019net  ham zahln kennan. Ein Tag nei, an andern wieder ausser.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Faviola,  die Kinder und ich gehen zusammen die Strecke zur\u00fcck, vorbei an der  Fleischhauerei, wo da\u00admals die Frau Hinterholzer ihren Laden hatte. Vor  zwanzig Jahren ist sie gestorben, die Theresia, die in meiner Erinnerung  uralt und b\u00f6se war; nun liegt sie auf dem Kirchhof neben ihrem Mann und  war der Jahrgang meines Vaters, gerade mal neun Jahre \u00e4lter als meine  Mutter. <em>\u201eGeh putzt die, drah di, oite Zw\u00fcfelnosn\u201c<\/em>, herrschte sie die an,  die in ihrem Laden herumlungerten.<\/p>\n\n\n\n<p>Beim B\u00e4cker vorbei, der ein \nTabak-Trafik mit Touristenkram ist, aber es ist Sonntagnachmittag und \nich kann nicht nachfragen. Das Haus gegen\u00fcber, wo der Panzer anstie\u00df \n(war das am gleichen Tag, als die Amis Brot unter die Leute warfen \u2013 vor\n der B\u00e4ckerei? \u2013 und ein Wei\u00dfbrot fiel in den Schmutz und je\u00admand nahm \nes auf und wischte es ab und ich sch\u00e4mte mich daf\u00fcr, weil man nichts aus\n dem Schmutz i\u00dft und schon gar nichts vom Feind nimmt \u2013 ist das eine \nErinnerung, oder kommt das aus einem an-deren Film?), dieses Haus: war \nes damals nicht armselig und schmutziggrau? Nun erstrahlt es in wei\u00df, \ngelbe Ornamente um T\u00fcrstock und Fenster.<\/p>\n\n\n\n<p>Ihm gegen\u00fcber die Bank, \nbunkerartig, mit der R\u00fcckseite bis an die Hangkante geschoben. Zwischen \nihr und dem Gasthof H\u00e4upl l\u00e4uft ein Weg hinunter in Richtung See. Ich \nglaube ihn zu kennen, aber der Bau vom H\u00e4upl, damals der Besitz des \nOrtgruppenleiters, nun ein Vier-Sterne-Hotel, und sein Gegen\u00fcber, die \nmodernen Etagen, senden keine Signale aus. Schritt um Schritt hinunter \nzum See, nichts sendet Signale aus, kein Bild evoziert Bilder in meinem \nKopf, alles bleibt blind.<\/p>\n\n\n\n<p>Der unabl\u00e4ssige Strom der Autos auf der \nAtterseestra\u00dfe l\u00e4sst uns kaum durchkommen zum Strand, der da unten sein \nm\u00fcsste; aber wir kommen zu einem Strandbad mit Planschbecken auf der \nWiese. Dann eine Strandpromenade, wo in meiner Erinnerung ein \nunbefestigter Weg entlang geht, eingeklemmt zwi\u00adschen Wassergrundst\u00fccken\n mit Bootsh\u00e4usern, blickgesch\u00fctzt durch mannshohe Hecken, und neuen und \nalten H\u00e4usern zur Landseite. H\u00e4user und Bootsh\u00e4user, Bollwerke privaten \nReichtums wie in K\u00fcs\u00adnacht am Z\u00fcricher See. In den Einfahrten Limousinen\n der gehobenen Klassen, meist mit Linzer Kenn\u00adzeichen. Nur \u00fcber die \nGartentore hinweg ist zwischen den m\u00e4chtigen Bootsh\u00e4usern hindurch ein \nschmaler Blick auf das blaue Wasser des Attersees zu erhaschen, voller \nSegelboote, fast wie auf der Unterhavel.<\/p>\n\n\n\n<p>Erst ganz am Ende der \nPromenade, wo eine alte Villa steht, ein Dornr\u00f6schenschlo\u00df, dessen \nSilhouette mit Turm und Turmfahne in mir eine alte Ahnung von etwas \nanr\u00fchrt, das sich nicht fassen lassen will, sind ein paar Meter \nGemeindestrand \u00fcbrig geblieben, ein Rasengeviert von vielleicht 6 mal 10\n Meter davor, mit einer St\u00fctzmauer dem See eher als dem Land abgerungen,\n von dem ein schmaler Steg ins Wasser f\u00fchrt, daneben ein paar Meter \nStrand f\u00fcr die Kleinkinder und zum wassern der Schlauchboote. Das ist \nvom langen Strand meiner Kindheit geblieben, ein schmaler Spalt zwischen\n Privatbesitz, vor dem Bojen- und Ankerlieger d\u00fcmpeln.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend \nMaja und Melusine in der Nachmittagshitze planschen, gehe ich los, den \nWeg zwischen Bank und Hotel H\u00e4upl zur\u00fcck. Ich muss es noch einmal sehen,\n von unten; vielleicht kommt die Erinnerung zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn ich \ndamals im Garten stand, oder eher dort, wo der Garten in die Wiese \n\u00fcberging oder fast schon dort, wo der Abhang ins Ebene \u00fcberging, dort, \nwo der Trampelpfad der Amis durch unser Grundst\u00fcck zum Gasthof lief, den\n sie zu ihrem Kasino gemacht hatten \u2013 wenn ich von dort hinaufschaute, \nstand H\u00e4upls Gasthof hoch \u00fcber mir, rechts der Giebel eines \ndreigeschossigen Hauses, daneben ein lang gestreckter eingeschossiger \nSaalbau \u2013 war es nicht ein Holzbau gewesen? \u2013 uns links davon vielleicht\n noch eine Scheune. Oder war es umgekehrt? Nun, heute t\u00fcrmen sich dort \ndrei Giebel mit m\u00e4chtigen Kr\u00fcppelwalmd\u00e4chern: \u201eH\u00e4upl, das gastronomische\n Flaggschiff der Region\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Es muss hier gewesen sein; aber die  Wiese ist steiler, hat keinen Auslauf. Vielleicht wirkt sie deshalb so  steil, weil ihr der Auslauf fehlt. Da steht heute ein Haus zur  Atterseestra\u00dfe hin. Wenn ich es wegdenke, die Stra\u00dfe und den  unaufh\u00f6rlichen Stra\u00dfenl\u00e4rm wegdenke und die Hecke h\u00f6her\u2026 So k\u00f6nnte es  gewe\u00adsen sein. Dort an der Hecke lag der Blindg\u00e4nger, dort liefen die Amis entlang, die uns Kindern S\u00fc\u00dfig\u00adkeiten schenkten, hier sah ich den  ersten Schwarzen. <\/p>\n\n\n\n<p>Auf welchem Teil der Wiese hatten wir \nKartoffeln angepflanzt? In diesem Acker hatten wir nachts die neuen, \nfesten Schuhe schmutzig und \u201egebraucht\u201c gestapft, die uns Kastingers \nnach Kriegswirtschafts- oder Besatzungsrecht h\u00e4tten nicht geben d\u00fcrfen. \nHier im Acker war meine Mutter gestanden, als sie uns Kinder \nvorschickte, einen der Soldaten um Streichh\u00f6lzer zu bitten. Wir lernten \ndas Wort \u201ematches\u201c, aber sie musste dann doch Kontakt mit einem GI \naufnehmen, zumindest aus einiger Entfernung, weil er uns Kindern ohne \nihre Best\u00e4tigung keine Streichh\u00f6lzer geben wollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses \nverfluchte Bankgeb\u00e4ude. Da schiebt es seine R\u00fcckseite vor bis an den \nHang, Brombeeren am Betonsockel. An der Grundst\u00fccksgrenze steht der Rest\n eines M\u00e4uerchens aus Bruchsteinen. War nicht der \u00dcbergang vom Garten \nhinter dem Haus oben zur Wiese hin und das Treppchen zu ihr so gemauert?\n Jetzt bin ich mir sicher: hier war es. Jetzt erst best\u00e4tigt mein Gef\u00fchl\n Stallingers Aussagen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf dem Weg zur\u00fcck zum Strand begegnet mir  eine \u00e4ltere Frau, gedrungen, wei\u00dfhaarig, die sich nach einem Kleeblatt  b\u00fcckt. Aber sie hat kein Gl\u00fcck. Ich spreche sie auf die ungeschickteste  Weise an, frage nach ihrem Alter \u2013 <em>\u201ewarum wollns d\u00f6s wissn\u201c<\/em>, gibt sie  reserviert zur\u00fcck. <em>\u201eJa, weil ich mich frage, ob sie die Irene von Straub  noch gekannt haben\u201c<\/em>. Ja, sagt sie, <em>\u201ebei der Gunzn Ida hats gwohnt, drei  Kinder hats ghabt und a Hausmadl im Einj\u00e4hrign, die Hanni(?).\u201c<\/em> Die  r\u00fcstige alte Dame war damals bei den \u201eM\u00e4dln\u201c, <em>\u201eda ham mir die scho  kannt, die Damen von der (NS-)Frauenschaft\u201c<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Tochter des \ndamaligen Schreiners von Seewalchen best\u00e4tigt meine Erinnerung an das \nHaus, seine Lage, die Schuppen daneben, hinter der B\u00e4ckerei. In einem \ndavon lagen unsere Kohlen, unter die vor Einmarsch der Okkupanten (oder \nwar es nicht eher schon bevor sich kurz vor Kriegsende die ukraini\u00adsche \noder wei\u00dfrussische SS bei uns einquartierte?) die letzten Alkoholika \nvergraben wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Strand unten frage ich dann nach dem Strand, \ndem Steg, der fr\u00fcher zwischen den gro\u00dfen B\u00e4umen hindurch ins Wasser \nf\u00fchrte, breiter damals und mit einem Quersteg am Ende, auf dem man sich \nhinle\u00adgen konnte. Da war freilich noch kein Privatgrundst\u00fcck daneben, \nkein Zaun, kein Bootshaus und das Dornr\u00f6schenschloss lag davon weit \nentfernt.<\/p>\n\n\n\n<p>Daran erinnert sich niemand; die Badenden sind alle zu jung daf\u00fcr oder Touristen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mein\n Strand! Mein Schandstrand. Ich mochte das Wasser nicht, es war mir zu \nkalt, zu na\u00df. Die gr\u00f6\u00dfe\u00adren Jungen sprangen hinein, spritzten herum, \nspielten mit ihm und in ihm \u2013 ich war neidisch auf sie, weil sie gr\u00f6\u00dfer \nwaren, keine Angst vor dem Wasser hatten und Fische fangen konnten, nur \nmit einer Schnur und einem Haken daran. Das konnte ich nicht. Ich hatte \nkeine Angel. Und mir fehlte das Geschick, mit dem sie sie herauszogen. \nSie lie\u00dfen es mich nicht einmal versuchen. Dazu war ich ihnen zu klein, \nzu dumm, zu feige.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bot mich an, ihre gefangenen Fischlein zu \nbewachen, solange sie im Wasser herumtollten. Da lagen sie nun, klein \nund silbern, auf einer Stufe des Stegs, tot und schillernd und ich \nbegann sie zu hassen, weil nicht ich sie gefangen hatte und von den \nGro\u00dfen geh\u00e4nselt wurde und die Wut stieg in mir auf und ich ballte die \nkleinen F\u00e4uste und schlug auf die kleinen Fischleiber ein und haute sie \nplatt und sicher l\u00f6sten sich ein paar Schuppen dabei ab und trat etwas \nBlut aus ihren K\u00f6pfchen. Und vielleicht war es nur noch schlimmer, weil \nes nur ein einziges Fischlein war.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich sagte den Jungen, das \nFischlein habe sich bewegt und ich h\u00e4tte es deshalb totschlagen m\u00fcssen \nund das war gelogen, das wusste ich genau und ich hatte nicht nur etwas \nB\u00f6ses getan, sondern es auch nicht zugegeben und gelogen, gelogen, \ngelogen und das war \u00fcberhaupt das Schlimmste.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir gehen am \nn\u00e4chsten Vormittag noch einmal hierher, schwimmen. Das Wasser ist \nwundervoll klar und k\u00fchl. Ich w\u00fcrde gerne hinausschwimmen, durch das \nFeld der vert\u00e4uten Segelboote, weg von den Bootsh\u00e4usern, hinein in den \nstillen See meiner Kindheit, auf dem an diesem Montag nur wenige Boote \nsegeln. Das Schloss von Kammer, den Kranz der Berge, die sanft \nabfallenden H\u00e4nge nach Buchberg und Lietzelsee sehen, auf dem R\u00fccken \nliegen, keinen Stra\u00dfenl\u00e4rm h\u00f6ren, keine Z\u00e4une und Hecken sehen, nur \nhintr\u00e4umen in diesem blauen Wasser\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Tourist mit Kindern kommt \nvorbei. Er spricht mit slowakischem oder tschechischem Akzent und regt \nsich auf \u00fcber die Privatisierung des Seeufers. Bis nach Lietzelsee m\u00fcsse\n er nun fahren, um einen et\u00adwas besseren \u00f6ffentlichen Strand zu finden! \nEine Zumutung sei das! Nach r\u00f6mischem Recht, sagt er, das wisse er ganz \ngenau, m\u00fcssten Seeufer Gemeineigentum sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Sonntag, dem 26.07.98 kamen wir am fr\u00fchen Nachmittag in Seewalchen an. Ich wei\u00df nicht mehr genau, wann ich das letzte Mal dort gewesen war, mich bei Kastingers pr\u00e4sentierte, die Handel-Tanten inmitten ihrer Dalmatiner in Buchberg besuchte; es mag jetzt 25 Jahre her sein, seinerzeit mit Margret auf der Durchreise nach Wien. 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